Gold und Alchemie

Wer die kleine Goldschmiede Fein.Gold sucht, wird in einem der engen Gässchen in der Regensburger Altstadt fündig. Ein schmiedeeisernes Schild hängt in goldenen Lettern geschrieben über dem Ladengeschäft der beiden Inhaberinnen.
Jeder der durch die Tür der Goldschmiede in der Kramgasse 8 eintritt, wird durch ein hell klingendes Glöckchen überhalb der Eingangstür begrüßt. Zu früheren Zeiten war der Laden mit der auffallend verzierten Holzdecke eine Apotheke. Der halb geflieste und halb mit Holzboden ausgestattete Raum läßt erahnen wo früher die Ladentheke des Apothekers verlief. Doch wo früher Salben gegen Warzen über den Tresen wanderten, erstellen die beiden Meisterinnen mit geübten Handgriffen schicke Schmuckstücke für jeden Anlass.

Kettentuning

In der Goldschmiede ertönt leise Musik aus dem Bluetooth-Lautsprecher hinter der Werkbank als ich das Atelier betrete. Stefanie und Lisa, die beiden Goldschmiedinnen, lösen ihren konzentrierten Blick von den Werkstücken auf der fast kinnhohen Werkbank hinter der beide sitzen. Lisa ist gerade dabei eine Lieblingskette einer Kundin umzuarbeiten. Auf einer Feinwaage werden die Materialien des neuen Verschlusses haargenau aufeinander abgestimmt. Dabei geht es nicht nur um den richtigen Farbton, sondern auch um die nötige Festigkeit für den Verschluss. Konzentriert werden die Metalle mit einem Bunsenbrenner zu einem kleinen Klumpen verschmolzen, das edle Ausgangsmaterial für den neuen Verschluss. Darauf folgen unzählige Arbeitsschritte vom Umformen, Abkühlen, Strecken über Stanzen hin zur Säurebehandlung zum Schutz vor Oxidation der Metalloberfläche.

Handwerk oder Kunst

In so manchen Berufen ist der Übergang vom Handwerk zur Kunst oft nahtlos. Auch der Goldschmied kann sowie Handwerker als auch Künstler sein. Stefanie meint dazu aber ganz treffend:

Kunst und Handwerk schließt sich gegenseitig nicht aus. Für die Kunst ist es gut, wenn man auch das Handwerk beherrscht.

Kling-kling, der helle Ton des Glöckchens kündigt ein älteres Ehepaar an, welches sich einen Stein fassen ließ. Vorsichtig holt Lisa das Kunstwerk aus dem Tresor und präsentiert den Anhänger dem erwartungsvollen Paar. Filigrane Gebilde halten den Edelstein in Position des in Gold gefertigten Anhängers. Wenige Minuten später verläßt das Ehepaar sichtlich zufrieden den kleinen Laden.

Unsichtbarer Schmuck

Wer die Ausstellungsvitrinen aufmerksam betrachtet, wird sich über zwei matt-silberne Metallstäbchen wundern. Kein Loch um als Anhänger verwendet zu werden, kein Stecker um als Ohrschmuck getragen werden zu können. Die beiden Goldschmiedinnen erklären dem interessierten Kunden gerne, dass es sich hierbei um Kragenstäbchen handelt, die zwar im Gebrauch nicht sichtbar sind, der Hemdträger aber ganz genau von den Schmuckstücken in seiner Kleidung weiß. Ist ein bisschen wie einen Porsche in der Garage stehen zu haben ohne ihn jemals zu fahren. Manchmal kann auch das Wissen über den puren Besitz glücklich machen.

Das Schaufenster zur Welt

Ein Blick zum Schaufenster, ein Lächeln, ein Winken und wieder der Blick auf das Werkstück. Eine Prozedur die sich während unseres Gesprächs fortlaufend wiederholt. Manchmal sind es Bekannte, die am Schaufenster stehen bleiben, manchmal Touristen. Wahrscheinlich Amerikaner meint Lisa schmunzelnd, als eine Menschengruppe an dem Schaufenster vorbei geht. Man könne die Amerikaner leicht an ihren Wanderstöcken erkennen. Wir philosophieren eine zeitlang über den Sinn der Wanderstöcke und kommen schlussendlich auf den einzig sinnvollen Rückschluss (der hier jedoch den Rahmen sprengen würde). Woran man russische Touristen erkennen mag, herrscht jedoch heute keine Einigkeit.